{11} Stillen in der Öffentlichkeit – #Gastbeitrag von Mo Zart

Ich freue mich wahnsinnig, dass die liebe Mo Zart – CoBloggerin bei 2kindchaos – sich die Ehre gibt und mir einen #Gastbeitrag zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit geschrieben hat! Ich habe Mo bei Twitter „gefunden“ und sofort ins Herz geschlossen <3 ! Ihre emotionale Art begeistert mich immer wieder und sie spiegelt sich ebenfalls an ihrer #Anekdote wieder. Mit Herzblut erzählt sie die Geschichte, wie Stillen auch in der Kirche natürlich und selbstverständlich für sie ist. Ich bewundere ihr Selbstbewusstsein und ihren Mut! Wirklich Mo, ganz großes Kino – Hut ab! <3


Stillen in der Öffentlichkeit: Brust und Kirche

Ich hatte wohl nicht den Ruf, über alles erhaben zu sein, jedenfalls rieb sich vor vier Jahren eine Freundin verwundert die Augen, als sie mich stillend in unserer Lieblingskneipe zufällig traf. Als ich nachfragte, wieso sie so verwundert sei, sagte sie nur: „Äh … Du – Mo – vor 4 Wochen entbunden – hier???“

Bei Maple war ich von bedarfsgerechtem Stillen ja weit entfernt. Von Ärzten wegen des Bauchwehs auf 4-Stunden-Rhythmus verpflichtet und viel zu früh und gegen jedes Bedürfnis abgestillt. Aber eines war dabei nie Thema: öffentlich stillen. Ich weiß gar nicht, warum. Ich hatte mir da nie Gedanken drüber gemacht, hatte nie irgendwelche positiven oder negativen Reaktionen erfahren. Es war einfach so.

Vielleicht spielt es eine Rolle, dass ich kein besonders ausgeprägtes Schamgefühl habe, und seitdem ich Mama bin, ist da jede Hürde gefallen. Es ist mir einfach egal. Ich komme auch gar nicht auf die Idee, dass jemand meine Brust sehen könnte. Ich denke eher, der sieht, dass mein Kind an der Brust trinkt. Das ist für mich einfach nicht vereinbar, es ist für mich absolut asexuell (obwohl ich ja sonst ein durch und durch sexualisiertes Wesen bin, haha).

Eines der schönsten Stillerlebnisse verbinde ich mit Waldluft

Was mir noch mal einen richtigen Schub gegeben hat, war die Begegnung mit Frida aka @2kindchaos, die völlig selbstverständlich ihre damals anderthalbjährige Tochter auf einem Spielplatz stillte. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an der Kombination: „Sie darf immer noch stillen“ (entscheidet das einfach selbst, lässt sich das nicht verbieten) und „Sie zeigt es als Statement“. In diesem Moment schwor ich mir, dass ich mein nächstes Kind langzeitstillen würde, mir all das zurückholen würde, wessen ich beraubt worden war.

Ich bin einfach ins Stillen an sich so verliebt, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass das jemand doof findet. Es findet ja auch keiner doof, wenn es 100-Euro-Scheine vom Himmel regnet.

Umso mehr hat mich der Rausschmiss aus einem Cafe, weil ich stillte (und damit Mittagsgästen den Platz wegnahm – obwohl ich zwei große Getränke und ein Essen bestellte), ins Mark getroffen. Ich hatte es nicht für möglich gehalten. Mit einem nur wenige Wochen alten Baby an der Brust musste ich Jacken, Wickeltasche und MaxiCosi an einen angemessen kleineren Tisch schleppen. Aber darüber will ich nicht schreiben….

 

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Stille Nacht, heilige Nacht…

Mir geht’s um Kirche

Ich bin in einer alt(ernativ)-katholischen Kirche zu Hause. Es ist, dass stelle ich vorweg, die herzlichste, modernste, toleranteste, menschlichste Glaubensrichtung, die ich kenne. Die Kirche ist klein, man sitzt in einem vierreihigen Halbkreis um den Altar rum. Wir sitzen ganz vorne, allein schon, weil die Kinder die ganze Zeit rumrennen. Ich stille Coco. Alle sitzen. Alles steht auf, ich sitze und stille. Alle können über meine Schulter gucken. Am Ende des Gottesdienstes gibt es immer Abkündigungen, Hinweise auf Termine und sonstiges. Am Ende heißt es immer: Hat sonst noch irgendwer etwas zu sagen? Da steht einer auf, Joseph, ein Älterer, und sagt:

„Mo, ich wollte das einfach mal sagen, ich finde das toll, dass Du hier stillst. Das ist richtig schön.“

Und alle stimmen ein. Wir sind übrigens die einzigen mit kleinen Kindern in der Gemeinde. Es gibt noch zwei andere Kinder, einen zehnjährigen Jungen und ein achtjähriges Mädchen. Der Rest sind fast alles eher alte Leute.

Rückenwind für den Statement-Auftritt

Und dann hab ich es auf die Spitze getrieben. Weihnachten waren wir bei unseren Freunden in Tirol. Konservativer geht es nicht. Selbstverständlich geht „man“ zur Kinderchristmette (wahrscheinlich gibt’s sonst keine Geschenke). Warum die diesen Namen verdient, ist mir schleierhaft. Ich habe noch nie einen Kindergottesdienst erlebt (und ich war früher römisch-katholisch), der so wenig mit Kindern zu tun hatte. Da wird das Evangelium vorgelesen (Krippenspiel? Wozu?), die Predigt vorgelesen (!), gespickt mit moralischen Aufrufen an gehorsame Kinder, die von ihren Eltern ständig mit schschsch!!!-Lauten zur Ordnung gerufen werden, wenn sie sich 3 Millimeter bewegen.

Ich lasse meine Kinder frei. Ich provoziere den Rauswurf. Das sollen sie mal versuchen. Dann geh ich aber ans Mikro und sag mal ein paar Takte. Aber es passiert nix. Maple findet eine Clowns-Nase aus rotem Schaumstoff und setzt sie auf, läuft durch den Mittelgang.

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Der Spaß-Faktor 🙂

Gefühlt 80.000 Augen richten sich auf sie. Die Kirche ist rappelvoll. Unsere Freunde wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Coco will jetzt natürlich auch raus. Krabbelt rum. Es gibt nur im vorderen Teil einen Mittelgang zwischen den Bänken. Dahinter gibt es einen Abstand von zwei, drei Metern und dann kommen wieder Bänke, jeweils über die ganze Breite.

So. Coco will an die Brust. Parallel passiert der Höhepunkt kindlicher Mitgestaltung im Gottesdienst: Kinder dürfen Fürbitten vorlesen. Coco grabscht mir in den Ausschnitt, untermalt von einem fordernden „Naaaaa!“ Ich setze mich mit ihr vor die vorderste der Bänke, die über die ganze Kirchenbreite gehen, auf den Boden, also mitten in die Mitte. Mittiger geht nicht. Man könnte auch sagen: auf den Präsentierteller. Ich lehne mich an das Vorderteil der ersten Bank an. Die Beine strecke ich nach vorne aus, ich will es beim Stillen ja bequem haben. Coco liegt in meinem Arm und trinkt, und in diesem Moment wird für mich in dieser furchtbaren Kirche Weihnachten.

Viele gucken mich an. Ich entgegne ihnen mit einem liebeserfüllten Blick. Ich kann nicht anders. Ich bin so mit Liebe voll, was soll ich ihnen denn sonst entgegnen? Niemand schaut mich böse an, niemand hat diesen Blick: „Ich bitte Sie! Im Angesicht des Herrn!“ Niemand. Vielleicht haben manche es selbst bereits in Erwägung gezogen, sind aber bisher immer zum Stillen in den Vorraum gegangen (da hatte ich zwei oder drei gesehen mit Kindern, die sich mal kurz bewegen wollten).

Während ich die Kommunion beobachte, wie alle (!) die Hostie in den Mund gelegt bekommen (!!!) denke ich, hier braucht es noch sehr viel Zeit. Aber Coco und ich, wir hatten eine sehr direkte Begegnung mit Gott. Mit einem Gott, der Frauen mit Brüsten erschaffen hat (wenn man die Schöpfungsgeschichte anstelle der Evolution bemühen möchte) – mit Brüsten genau zu diesem Zweck. Also los, Leute. Raus mit der Brust in der Kirche. Ich weiß nicht, wen um alles in der Welt das beleidigen soll. Gott mit Sicherheit nicht.

Eure Mo


Hier findet ihr die ersten 10 #Anekdoten zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit


Vielleicht habt ihr auch eine nette kleine oder größere #Anekdote zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure #Anekdote bei mir als #Gastbeitrag teilen würdet! Hab ihr Lust? Dann meldet euch gerne per Mail bei mir unter: motherbirth@gmx.de!!! Ich freue mich <3

*EURE MOTHER BIRTH*

#Anekdote #Öffentlichkeit #Stillen #Gastbeitrag #Selbstvertrauen #Selbstbewusstsein #Mut #Selbstverständlichkeit #Normalität #Kirche

18 Gedanken zu „{11} Stillen in der Öffentlichkeit – #Gastbeitrag von Mo Zart

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  8. Mona Fingerle Antworten

    Super! Super! Super!
    Beim ersten Kind hatte ich auch noch Hemmungen, in der Kirche zu stillen. Ich habe eigentlich überall gestillt, nur in der Kirche nicht. Warum? Keine Ahnung…
    Beim zweiten, an seiner Taufe, er bekam Hunger, ich wollte aber nichts, keine Sekunde dieses besonderen Gottesdienstes verpassen (und das sollte er auch nicht), also hab ich halt ausgepackt. Erste Reihe, direkt vor den Augen des gerade lesenden ehrwürdigen Kirchengemeinderatsvorsitzenden. Der das bestimmt nicht mal registriert hat. Ich bin nämlich eine sehr diskrete öffentlich-Stillerin 😉
    Und seither gabs kein Halten mehr 😀
    Blöde Kommentare gabs noch nicht, aber wenn, dann werde ich dezent auf unsere angeblich immer so konservativen katholischen Mitchristen verweisen, deren Oberhaupt ja mal extra zum stillen während des Gottesdienstes aufrief 😉

    • motherbirthblog Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Mona,

      eine tolle Einstellung hast du zum Stillen in der Öffentlichkeit! Und ich hoffe, dass dich niemand mit blöden Kommentaren aufhalten wird, weiter so ungezwungen und natürlich mit dem Stillen umzugehen!

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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  15. motherbirthblog Autor des BeitragsAntworten

    Ich finde es so wundervoll an wievielten verschiedenen Orten ihr alle schon öffentlich gestillt habt! Es zeigt allen, dass es keinen „unmöglichen“ Ort für das Stillen gibt oder geben sollte. Insbesondere in der Kirche sollte es – nein, muss es! – das normalste auf der Welt sein, sein Kind zu stillen <3

    Ich bin immer noch ganz bewegt von euren ganzen wundervollen Gastbeiträgen <3 <3 <3

    Liebe Grüße
    Mother Birth

  16. Kiki Antworten

    Ich habe schon öfter in der Kirche gestillt und mir ehrlich gesagt nie darüber Gedanken gemacht, ob es der richtige Ort ist.
    Das erste mal war Weihnachten zur Christmette – um 22:30 Uhr ging es los. Da hatte ich eher sorgen, ob es die anderen Kirchenbesucher stören könnte, dass da ein Baby dabei ist, wo es doch eigentlich der ruhige, besinnliche, vergleichsweise leere Gottesdienst an Heilig Abend ist, der viel zu spät für Kinder ist.
    Das Känguru hat sich super benommen, mal ein kleiner Grunzer oder Quietscher, da habe ich sie duch stillen ruhiggehalten. Ruhighalten war auch sonst tendenziell eher der Grund fürs stillen in der Kirche – einfach weil es mir Unangenehm war, wenn so viele aufs Kind geschaut haben und ich auch der Pfarrerin ein schlechtes Gewissen gegenüber hatte, da mein Kind ihr die Aufmerksamkeit „klaute“.
    Das wurde aber von anderen nie als Problem gesehen, nach dem Weihnachtsgottesdienst wusste dann aber jeder aus meiner Heimatkleinstadt, dass ich ein Kind hatte. Davor haben es nur wenige mitbekommen.

    • motherbirthblog Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Kiki,

      ich hätte nie gedacht, dass so viele von euch schon in der Kirche gestillt haben 🙂 – ich bin begeistert!
      Es zeigt meinen Lesern, dass dies nicht nur vereinzelte „Ausnahmen“ sind, sondern für viele normals und selbstverständlich <3

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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