Das #MutterThema – ein #Gastbeitrag von Tanja (HerzBauchWerk)

Wir alle haben eine und die meisten von uns sind es selber auch schon oder auf dem besten Weg dazu, eine zu werden.
Wir alle lieben sie abgöttisch, denn sie ist der Mensch, der es uns ermöglicht hat, zu wachsen. Meistens neun Monate lang. In einem wunderbaren, schwerelosen Raum.
Sie hat es uns ermöglicht, auf die Welt zu kommen, das Wunder Geburt zu erfahren.
Sie hat uns unter ihrem Herzen getragen, wie man so schön sagt. Und hört niemals damit auf, uns in ihrem Herzen zu tragen.

Unsere Mutter.

Und weil dieser Blog von Andrea Motherbirthblog heisst und ich die Ehre habe, für sie einen Gastbeitrag zu schreiben, lag das Thema: „MUTTER“ schon ziemlich auf der Hand. Für all die, die mich noch nicht wirklich kennen, ich bin Mama von drei Kindern, begleite werdende Mütter in der Schwangerschaft auf ein selbstbestimmtes, kraftvolles Geburtserlebnis vor und helfe hochsensiblen Frauen und Müttern, ihr Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, indem sie erkennen, wie wertvoll es ist, hochsensibel zu sein. Auf meinem Blog www.herzbauchwerk.ch schreibe ich über meine Erfahrungen als Coach und Mama und teile sie gerne mit der Welt da draussen.

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Lange lange Zeit hab ich theoretisch gar nie vor gehabt, Kinder zu kriegen. Nicht, weil mir der Mann dazu gefehlt hätte, nein, den gab es schon lange und der wollte immer schon Kinder, nein, es war mein eigenes inneres, verletztes Kind, das mir im Weg stand und lange Zeit das Gefühl hatte, dass ich keine gute Mutter sein könnte.

Oh ja meine Liebe, ich trage ein #MutterThema mit mir. Jetzt schau ja nicht ganz mitleidig hier auf diesen Text, denn ich bin jetzt mal ganz, ganz, ganz provokant und sag dir:

Auch du hast eins! Jeder Mensch hat eins!!! Ich hab noch keinen einzigen Menschen erlebt, der keines hätte. Und ich wette mit euch, ihr lieben Mütter da draussen, auch wenn ihr das gerne ganz anders hättet:

Ihr werdet wahrscheinlich auch mal zum #MutterThema von euren Kindern!

Wieso das so ist? Ich kann dir das nicht ganz genau erklären, ich vermute mal, es könnte daran liegen, dass unsere Mutter für uns ganz lange Zeit das aller aller Nächste ist, was wir wahr nehmen. Wir wachsen in ihr, wir werden mit ihrer Hilfe geboren.
Sie ist das erste, was wir spüren wenn wir im Fruchtwasser so gross werden, dass wir uns nicht mehr frei bewegen können und fest umschlossen von ihrer Gebärmutter sind.
Wir spüren ihre Liebe, ihre Ängste, ihre Themen, ihren Stress. Wir hören ihre Stimme, nehmen wahr, ob sie gerade lacht oder weint. Wir spüren ihre Gefühle. Ist das nicht krass? Lange Zeit sind wir Eins mit ihr. Es wäre dasselbe, wie wenn wir so sehr mit der Erde verbunden wären und jedes Mal, wenn die Erde traurig oder glücklich wäre (falls sie denn fühlen könnte) genau diese Trauer oder dieses Glücklichsein mit fühlen würden.

Ob wir jetzt nun wollten oder nicht. Wir könnten uns davon nicht entziehen.

So ganz bewusst wurde mir das erst vor einigen Wochen, als ich ein tiefgründiges Gespräch mit meiner Mama hatte und sie fragte, wie sie ihre eigene Mutter und Grossmutter so erlebt hatte damals, als sie noch jung war. Als sie noch Kind war. Und plötzlich sah ich vor mir nicht mehr meine Mama, sondern ein Mädchen stehen. Mir wurde bewusst, dass meine Mama so einiges aus ihrer Kindheit mit genommen hat, bis zum heutigen Tag. Eigentlich ist das alles gar nix neues für mich, selber arbeite ich oft mit meinen Klientinnen mit dem „Inneren Kind“.

Ich weiss, wie sehr uns auferlegte Rollen und Glaubensmuster, die nicht zu uns gehören, manipulieren können. Ich begleite Menschen darin, genau diese Muster aufzudecken und umzuprogrammieren. Und doch brauchte es diese Unterhaltung mit meiner Mutter, um mir das nochmals ganz bewusst zu machen. Ich merkte, wie heilsam für mich das Gespräch mit ihr war, weil mir bewusst wurde, dass meine Mama ganz oft gar nicht anders konnte, als so, wie sie machte. Und mir wurde bewusst, dass das alles ok so war, wie es war.

Und auch wir, die heute Mutter sind von kleinen Kindern, wir geben unser bestes. Wir können in bestimmten Situationen oft nicht anders, als wir machen. Das gilt natürlich auch für die Väter da draussen…

Und trotzdem wird es wahrscheinlich im Leben meiner Kinder Erinnerungen an mich geben, die sie nicht sehr toll finden werden. Die sie prägen werden. Die sich tief in ihr Unterbewusstsein graben werden. Und trotzdem werde ich diejenige sein, die das eine oder andere überflüssige, veraltete Glaubensmuster weiter gibt an ihre Kinder. Vielleicht werden sie ein Leben lang damit zu kämpfen haben. Wer weiss….

Es gehört wohl zum Prozess des Selbständig-Werdens, sich irgendwann mal von der Mutter zu trennen, zu distanzieren, zu erkennen, dass man sein eigenes Leben lebt. Dieser Prozess kann schmerzhaft sein. Oh ja, vielleicht fühlt man sich dann immer wieder leer und nicht komplett, weil da immer jemand war, der mit einem verbunden war, der einem Halt gab, der eine Richtung vor gab. Ob die nun richtig oder falsch war, das bleibt offen…

Es gehört zu unserer Entwicklung und ist so wichtig, dass wir heraus finden, wie denn UNSER Weg aussehen soll. Denn er gehört zu unserem Leben, er gehört dazu, damit wir uns selbst erfahren dürfen.

So oft erlebe ich erwachsene Menschen, die mir sagen, dass sie ihr Ding durchziehen wollen, ihren Weg gehen wollen, aber nicht wissen, wer sie sind. Komisch, nicht? Wir sind die einzige Person, die uns wirklich unser ganzes Leben lang begleitet und oft scheint es so, als würden wir uns selber, unsere Lebensaufgabe, unsere Wünsche und Bedürfnisse am wenigsten kennen…

Und ja, vielleicht ist genau das, das Härteste, das eine Mutter in ihrem Leben erfährt: Sie weiss, dass ihre Kinder ihr eigenes Leben leben müssen, um sich selbst zu erfahren. Sie weiss, dass sie dafür loslassen muss. Manchmal Dinge akzeptieren muss, mit denen sie nicht einverstanden ist, die sie selber so nicht machen würde.
Sie, die ihren Raum jahrelang ihren Kindern zur Verfügung gestellt hat, damit sie wachsen und gross werden dürfen.
Sie, die auf vieles verzichtet hat, ihr Leben verändert hat für die Kinder.
Sie, die diese unglaubliche Mutterliebe gespürt hat, in sich trägt. Diese Liebe, die nie erlischt.

Sie muss irgendwann mal akzeptieren, dass ihre Kinder ihr ganz eigenes Leben haben, da raus gehen in die grosse, weite Welt, um ihre ganz eigenen Erfahrungen zu machen.

Ich glaube, wahrscheinlich ist genau das der Grund, weshalb ich mich bis jetzt in jedem Besuchstag vom Kindergarten fast heulend wieder gefunden hab, wenn ich meinen Sohn im Kreis sitzen und mit den andern Kindern gespannt der Kindergärtnerin zuhören sah. Es ist einer der ersten Loslösungsprozesse von vielen. Es werden noch viel mehr folgen. Für ihn und für mich. Für meine Töchter und für mich. Und ja, wahrscheinlich werden meine Kinder mich dabei nicht immer wirklich die tollste Mama der Welt finden.

Damit muss ich leben. Denn es ist ihr Leben, mit ihren Aufgaben, die sie mit gebracht haben.

So wie ich meine hab.

Und meine Mama ihre.

Und trotzdem hoffe ich, dass ich nicht zu sehr zum #MutterThema werde, sondern meine Kinder begleiten kann, dann wenn sie mich brauchen, bis an mein Lebensende. Ich hoffe, dass sie erkennen, dass auch in mir manchmal ein verletztes, kleines Kind sich bemerkbar machen möchte. Ich hoffe, dass sie wissen, dass ich immer nur das Beste versuchte, was ich zu dem Zeitpunkt konnte. Ich hoffe, dass sie mit ihrem verletzten inneren Kind ganz achtsam umgehen werden.

Denn im Grunde ist da nur eins: bedingungslose Liebe.

Wir haben uns vor langer Zeit entschieden, dieses Leben hier mit genau diesen Eltern, die wir haben zu bestreiten, damit wir wachsen können, damit wir uns entwickeln können, uns erkennen und erfahren können als Menschen, als Mütter, Väter, Töchter und Söhne. Als kleine Kinder und grosse Kinder.

Gemeinsam. Auf unseren Wegen. Die für jeden einzelnen etwas ganz anderes bedeuten.

MEIN Weg.

Danke liebe Tanja für deinen wundervollen #Gastbeitrag. Das #MutterThema ist eines der schwersten überhaupt. Man muss reflektiert sein, selbstkritisch und doch gleichzeitig nachgiebig und vergebend. Es ist eine große Aufgabe. Ein Ablösungsprozess – als Tochter und als Mutter. Du hast mich zum Nachdenken gebracht und vielleicht auch die ein oder andere Leserin von mir…

 

*EURE MOTHER BIRTH*

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Ein Gedanke zu „Das #MutterThema – ein #Gastbeitrag von Tanja (HerzBauchWerk)

  1. cao Antworten

    Ein wirklich wunderschöner Text!

    Bei mir ist es so, dass ich erst durch die Geburt unseres Kindes meine Mutter verstehen kann. Ich habe seitdem eine andere Perspektive, denn ich weiß, ich war mal ihr kleines Baby und sie hat alles für mich aus Liebe gemacht, genauso, wie ich es jetzt für unser Kind mache!! ❤

    Alles Liebe cao

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