Blogparade, Dies und Das

„Sei doch nicht immer so überempfindlich!“ – #Blogparade zu #hrsundich

#Blogparade: Meine Hochsensibilität und Ich – ein schwieriges Thema für mich. Aber da ich es Tanja von HerzBauchWerk versprochen habe, kommt hier nun mein Text. Etwas Angst vor den Reaktionen habe ich irgendwie trotzdem… #ausgründen


Anders sein, bedeutet meist nichts Gutes

Seit ich denken kann, wurden mir immer Attribute wie: überempfindlich, mimosenhaft und zimperlich zugeschrieben. Nicht besonders schmeichelhaft. Um es auf den Punkt zu bringen und meine Mutter zu zitieren:

Ich war eine Prinzessin auf der Erbse, mit der man nichts anfangen konnte.

Das tat damals weh und tut es auch heute noch. Nur damals glaubte ich wirklich, wenn ich mich nur genug zusammenreißen würde, dann hätte ich eine Chance meine Kopfschmerzen aus der Hölle in den Griff zu bekommen, die ich bei jedem Besuch in der Stadt oder auf einem aufregenden Kurztrip bekam. Und nicht nur mein Kopf spielte regelmäßig verrückt, sondern auch mein Magen. Spätestens am Abend war ich so voll an Eindrücken, Gesprächen, Gerüchen und Neuem, dass ich förmlich überquoll und mich übergeben musste. Meiner Mutter habe ich dann immer „alles verdorben“… wie schon oben erwähnt:

Mit mir konnte man nichts anfangen.

Richtiger wäre gewesen:

Sie konnte mit meiner Hochsensibilität nichts anfangen. Aber wer fragt schon danach…

Sie konnte sich nicht in mich hineinversetzten. Hat nicht verstanden, dass die Welt für mich anders ist, als für sie. Und das ist sie bis heute. Nur kann ich heute besser damit umgeben bzw. ich kenne meine Grenzen und achte sie sorgsamer.

Und dann bekam es einen Namen…

Lange habe ich keine Worte für das gehabt, was mich von anderen unterschied. Ich wusste zwar, dass ich anders bin, aber nicht warum. Und lange Zeit wurde dieses „Anderssein“ auch fast ausschließlich negativ betitelt. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich für diesen Makel schämen. Ihn ausbügeln. Dran arbeiten. Normkonform werden. Mit dem Querdenken aufhören. Warum zum Teufel war mir so vieles zu viel? Die Antwort darauf bekam ich in meiner Traumatherapie, als meine Therapeutin mich eines Tages fragte:

Sie wissen aber, dass sie hochsensibel sind, oder?

Ich bin WAAAAAS????!!!!Innerlich stand ich schon auf den Barrikaden. Überlegte schon verzweifelt, wie ich mich verteidigen könnte und fragte mich gleichzeitig, was ich schon wieder falsch gemacht haben könnte. Da kam der eine kleine Satz, den ich meinen Lebtag nicht mehr vergessen werde:

Etwa 20% aller Lebewesen ist hochsensibel. Es ist eine Gabe. Freuen Sie sich doch. Hochsensible sind wichtig für die Gemeinschaft und haben schon immer zentrale Rollen als Berater besetzt.

Huch… Was? Nichts Negatives?! Das soll jetzt gut sein, was ich habe? Dezent verwirrt war ich nun schon, aber auch irgendwie erleichtert. Innerlich streckte ich meiner Mutter die Zunge raus und dachte: Siehste! Ein kleiner Triumph nach Jahren.

So wie ich bin, bin ich gut. Und ich bin nicht allein.

Stau im Kopf

Manchmal überfluten mich Eindrücke auch heute noch derart, dass ich unfähig bin nach außen irgendeine Interaktion aufrecht zu erhalten. Was das bedeutet? Ganz einfach: ich sitze z.B. mit meinem Mann im Restaurant und bin nicht in der Lage mit ihm eine Unterhaltung zu führen. Der Raum, die Leute, die Speisekarte, die Gerüche, die Gespräche, das Licht, … Alles strömt auf mich ein. Ungefiltert. Alles scheint wichtig. Ich kann nicht selektieren. Muss alles wie ein Schwamm in mich aufsaugen. So unendlich viele Informationen fangen an mein Gehirn zu verstopfen.

Es ist so, als ob auf der Autobahn ein Stau entsteht. Nichts geht mehr.

Zu viel um zu Verarbeiten. Und sowieso viel zu viel, um noch zusätzliche Informationen zu zulassen, wie z.B. ein Gespräch mit dem Herzensmann zu führen.

Mein Hirn macht dann TILT! Aus. Ende. Vorbei. Mein Kopf ist zugemüllt. Verstopft. Kein Durchkommen. Nichts geht mehr. Weder rein noch raus. Ich fühle mich wie paralysiert. Unfähig zu irgendeiner Aktion. Von Interaktion mal ganz zu schweigen. Genießen sieht anders aus.

Was mir hilft, sind Konstanten und Bekanntes. Worauf ich mich verlassen kann. Deshalb gehen wir gerne in ein und dasselbe Lokal – übersichtliche Karte (Sommer und Winter), gedämpftes Licht. Ich mag es. Und mittlerweile führen der Herzensmann und ich dort auch wirklich anregende Gespräche. Das freut mich – und ihn natürlich auch – denn es ist ja nicht so, dass wir die Kommunikation nicht vermissen würden … 😉

Einsamkeit, Weite und Stille – einfach den Sand unter den Füßen zu spüren. Das tut mir gut #Amrum

Ruheraum

Erst letzten Samstag besuchten wir den Martini-Markt an der Schule meines Sohnes. Groß. Laut. Unübersichtlich. Und das Schlimmste: über und über voll an Menschen, die durcheinanderreden und drängeln. Mir graute es ehrlich gesagt schon vor dem Tag, aber den Kindern zu Liebe stellte ich meine Bedürfnisse als hochsensible Person hinten an. Also rein ins Getümmel. Nach einer Stunde war ich eigentlich schon platt und hätte nach Hause flüchten mögen. Ging aber nicht.

Zum Glück gab es da ja noch den Schildnöck! Zum Wickeln und Stillen von Babys und Kleinkindern gab es einen Ruheraum. Die Gelegenheit auch für mich raus zu kommen. Abstand zu gewinnen. Kaum hatte ich den Raum betreten, konnte ich endlich wieder durchatmen. Es fühlte sich wahnsinnig entspannend an, dort zu sitzen, die Stille zu genießen, den Blick durch das große Fenster nach draußen in die Ferne schweifen lassen zu können und einfach (fast) allein sein zu dürfen. Für mich hätte es ewig so sein können: still stillend.

Aber das ging natürlich nicht, da meine beiden anderen Kindern auch meine Aufmerksamkeit und eben auch Anwesenheit forderten. Verständlich. Also zog ich mich ab und an in den Ruheraum zurück. Eine Art private Insel für mich, in der ich auftanken konnte. Weit ab vom Trubel, der mir mal wieder zu viel war…


Und jetzt am Ende des Textes merke ich erst, wie befreiend es ist, endlich die Möglichkeit zu haben so offen über meine Hochsensibilität beichten zu dürfen und zu können. Anfangs hat es mich wirklich sehr viel Überwindung gekostet, die ersten Zeilen zu tippen. Ihr glaubt gar nicht wie viel Text ich wieder gelöscht, neu getippt und doch wieder verworfen habe…  Die alten Glaubenssätze aus meiner Kindheit sitzen einfach noch viel zu tief, obwohl ich heute selbst öfter die Gabe anstatt den Makel sehe.

Deshalb freue ich mich umso mehr, dass meine liebe Freundin Tanja Suppiger ab dem 15.01.2018 einen Online-Kurs zum Thema #Hochsensibilität anbietet und ich ihn kostenlos testen darf. Mit dessen Hilfe erhoffe ich mir, dass ich meiner Hochsensibilität endlich noch mehr Positives abgewinnen kann. Fühlen tue ich es schon länger: sie hat meine Aufmerksam verdient. Denn sie kann mehr als nur nerven 😉 …

Wie es mir bei dem 11-wöchigen Online-Kurs ergehen wird, was ich für mich rausziehen kann und ob es sich lohnt ihn zu machen, werde ich auf meiner Facebook-Seite in regelmäßigen Updates berichten. Also für Interessierte: bitte vormerken! 😉 …


 

*EURE MOTHER BIRTH*

#Blogparade #hrsundich #hochsensibel #Hochsensibilität #empfindsam #Eindrücke #zuviel #überempfindlich #Ruhe #Freiraum #achtsam #Auszeit #Gabe #Ruheraum

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8 Gedanken zu „„Sei doch nicht immer so überempfindlich!“ – #Blogparade zu #hrsundich“

  1. Liebe Mother Birth
    Wir kennen uns noch nicht 🙂 …
    Den folgenden Abschnitt hab ich kürzlich auf meiner Website veröffentlicht, weil er ganz schön zum Anderssein passt. … Du bist gut so wie du bist!

    Das Auge sagte eines Tages:
    „Ich sehe hinter diesen Tälern im blauen Dunst einen Berg. Ist er nicht wunderschön?“
    Das Ohr lauschte und sagte nach einer Weile:
    „Aber wo ist ein Berg? Ich höre keinen.“
    Darauf sagte die Hand:
    „Ich versuche vergeblich ihn zu greifen. Ich finde keinen Berg.“
    Die Nase sagte:
    „Ich rieche nichts. Da ist kein Berg.“
    Da wandte sich das Auge in eine andere Richtung.
    Die anderen diskutierten weiter über diese merkwürdige Täuschung und kamen zu dem Schluss:
    „Mit dem Auge stimmt etwas nicht.“

    aus „Der Narr“ von Kahlil Gibran

    Alles Liebe, Priska

  2. Ich denke, man sollte sich wohl eher fragen, warum heutzutage so viele Menschen „unempfindlich“ sind (gegenüber Mitmenschen und deren Gefühlen, der Natur und ihren Eindrücken, den eigenen Kindern gegenüber etc.) anstatt dir vorzuwerfen, du wärst überempfindlich!!

    1. Liebe Cao,

      weil eben etwa 80% der Bevölkerung so nicht empfindet und es auch nicht wirklich nachvollziehen kann, was da in meinem Kopf vor sich geht bzw. warum mein Körper bei scheinbar „harmlosen“ Dingen verrückt spielt.
      Ich gebe den anderen daran gar nicht mal die Schuld. Woher können sie das wissen. Es ist ja auch schwerlich nachvollziehbar, wenn man es nicht aus der eigenen Erfahrung kennt.

      Hilfreich empfand ich persönlich, dass ich es jetzt benennen kann. Das ich anderen sagen kann, was ich habe und warum ich manchmal „anders“ bin und reagiere.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

    1. Liebe Christina,

      ich hoffe, mir wird es gelingen mit neuen Augen meine Hochsensibilität zu betrachten. Es einfach mal als was Gutes sehen zu können. Die Vorteile davon erkennen und nutzen zu können. Ich wünsche dir dasselbe <3

      Mit einem seh kleinen Baby hat man immer noch eine "Ausrede", wenn man einen Rückzugsort braucht. Das Umfeld hat dafür auch deutlich mehr Verständnis.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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