Dies und Das, Familie, Mother Birth

#Zwischenfrage (II): Ist das so? Ich meine, muss das so?!

Diesmal bleiben mehr Fragen, als ich Antworten geben kann. Vielleicht habt ihr die eine oder andere Antwort für mich . Oder einen Gedankenanstoß. Ich würde mich sehr freuen, wenn ein Austausch entstehen könnte, denn dieses Thema lässt mich schon etwas länger nicht mehr los <3

Fragen über Fragen …

Hilfe annehmen als Eltern: ist nicht so einfach. Also für mich. Und ich bin sicherlich nicht alleine damit. Aber warum ist das so?

  • Warum ist es immer noch ein Zeichen von Schwäche, wenn man Hilfe sucht und annimmt? 
  • Warum ist das so negativ besetzt? Es ist doch eigentlich keine Schande, oder?
  • Warum schwingt der Vorwurf im Raum, dass „man etwas nicht hinbekommt“?
  • Ist es nicht eher umgekehrt ein Zeichen von Stärke, Hilfe annehmen zu können und zu erkennen, dass man sie vielleicht benötigt?
  • Muss man immer alles allein schaffen?
  • Welches Ideal steckt dahinter? Warum gibt es dieses überhöhte, stilisierte Elternbild, das keine Schwächen zulässt?
  • Wovor haben wir Angst? Woher kommt diese Angst?
  • Warum meinen wir, nur starke Eltern, wären gute Eltern? Was macht das mit unseren Kindern, wenn wir vermeintlich keine Schwäche haben? Welches Vorbild sind wir ihnen?

Fragen, die in meinem Kopf kreisen und zu denen ich keine erschöpfende Antwort finde. Seit Wochen – seit Monaten – seit Jahren nicht.

Ist das so? Ich meine, muss das so?!

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„Lass dir doch helfen!“

Meinen Kindern sage ich diesen Satz öfters. Ich meine es gut. Will ihnen helfen. Vielleicht auch, weil ich manchmal weiß, dass sie dieses oder jenes noch nicht alleine hinbekommen können. Ich biete ungefragt Hilfe an und bekomme dann oft:

ALLEIN!!!

als Antwort an den Kopf geworfen.

Aber bin ich anders? Lasse ich mir helfen, wenn jemand mir Hilfe anbietet? Nicht oft. Eigentlich nie. Ich antworte:

Das schaffe ich schon alleine…

Ich bin wie meine Kinder. Oder sind sie wie ich?

Bei meinen Kindern sehe ich, dass Hilfe manchmal – nicht immer! – nützlich sein kann. Warum kann ich es bei mir selbst nicht? Was hält mich davon innerlich ab? Was blockiert mich? Welches Glaubenssatz ist so stark in mir verankert, dass ich es nicht schaffe über meinen eigenen Schatten zu springen?

Ich hänge einem Ideal nach. Einem Ideal, dass kaum zu erfüllen ist. Alles alleine schaffen zu wollen, ist dezent ausgedrückt: WAHNSINN. Ich will auf Teufel komm raus selbstständig sein und bin doch nur stur. Bockig. Ich habe das Gefühl, es würde meine eigene „Leistung“ schmälern, wenn ich Hilfe annehme. Blödsinn, ich weiß, aber es fühlt sich so an. Tief in mir – ein Gefühl des Versagens…

Alles alleine schaffen (müssen)

Die Kleinfamilie als Ideal, ist aber nicht unbedingt ideal, um Kinder großzuziehen. Die Verantwortung und die Arbeit verteilt sich auf wenige – wenn es gut läuft – auf 2 Schultern.

Es fehlt die Vernetzung. Ein Netz. Eine Gemeinschaft, die diese Überlastung auffängt. Ja, es ist eine Überlastung, aber nicht weil wir uns zu viel vornehmen, oder weil wir Kind und Karriere vereinbaren wollen oder gar weil wir „zu viele“ Kinder bekommen haben. Nein! Es fehlt einfach nur an Entlastung. Keiner punktuellen, sondern einer strukturellen Entlastung. Einer verlässlichen. Es fehlt an den richtigen Rahmenbedingungen für Familien mit (kleinen) Kindern.

Wenn es heute oft nicht mehr die eigene Großfamilie sein kann oder soll, die uns Eltern den Rücken frei hält und uns tatkräftig im Alltag unter die Arme greift, so müssen wir neue Wege finden. Denn wir laufen als Gesellschaft Gefahr eine Generation von Eltern so sehr im Stich zu lassen, dass ein kollektiver Burn-Out droht.

Sehe ich das jetzt zu schwarz? Vielleicht. Aber sich sehe eben auch viele Mütter. Allein, ohne Hilfe. Verzweifelt. Ohne Netzwerk, auf das sie zurückgreifen könnten. Alleinkämpferinnen. Aber auch Paare, die am Limit sind. Die nicht mehr zur Ruhe kommen. Die dringend mal eine Auszeit bräuchten, aber keinen Weg finden, diese zu realisieren. Ich sehe Menschen. die sich täglich aufreiben. Die alles geben. Manchmal auch mehr. Und die dringend Hilfe bräuchten.

„Gemeinsam sind wir stark!“

Aber es fehlt eben auch an Angeboten für eben diese Menschen – Mütter, Väter, Familien. Es fehlt ein Clan – wie es Susanne Mierau so schön sagt. Nicht nur online. Nein, ganz konkret im echten Leben. Er würde so viel erleichtern. Wir könnten uns gegenseitig stärken. Füreinander da sein. Eine Hand wäscht die andere. Zwanglos, ohne schlechtes Gewissen. Ohne Erwartung einer konkreten Gegenleistung. Jeder, der gerade Kapazitäten hat, hilft. Unbürokratisch. Orts- und zeitnah. Ein Netzwerk – das auffängt.

Was es aber ebenso braucht, ist ein Umdenken! Eine Gemeinschaft – eine Gesellschaft -, in der es normal ist, Hilfe anzunehmen. In der es keine Schwäche ist. In der es ein Bewusstsein dafür gibt, dass Eltern Hilfe benötigen. 

Eine Utopie? Vielleicht. Aber vielleicht auch eine Vision von einem besseren Miteinander als dem jetzigen Nebeneinander.

 

*EURE MOTHER BIRTH*

 

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12 Gedanken zu „#Zwischenfrage (II): Ist das so? Ich meine, muss das so?!“

  1. So, ich hab jetzt zu Ende gelesen 🙂

    Ich glaube, die Hürde zu fragen, ist deshalb so groß, weil alle versuchen, den Schein zu wahren, es doch irgendwie ganz gut hinzukriegen, sodass wir eben annehemen, sie bekämen es tatsächlich hin (nur wir nicht) und wer will schon als einzige „Versagerin“ in einer (gefühlten) Gruppe von Leuten fragen, die es alle schaffen?

    In einer Kommune hingegen bekommt man 1. die Grenzen der anderen viel eher mit. 2. ist deshalb auch die Hürde zu fragen nicht so groß, weil man weiß, das sind nicht alles Einzelkämpferfamilien, sondern die haben sich bewusst einen Clan gesucht.

    Also läuft alles wieder auf Kommune hinaus. Jeder Urlaub mit einer anderen Familie, die alle auch ihre eigenen Baustellen haben, ganz unterschiedliche, ist wesentlich entlastender als ein Urlaub nur mit der Kernfamilie. Aufgaben verteilen sich anders, Auszeiten sind möglich, und keiner muss einen bescheuerten Schein wahren.

    Wir sind ja kürzlich umgezigen in ein Haus, in dem die Kinder ein- und ausgehen und in dem, wenn man abends das Plantschbecken und die ganzen Utensilien wegräumen will, die Vermieter (Großelterngeneration, deren Kinder und Enkelkinder wohnen auch im Haus) bereits das Plantschbecken geleert und die Sandsachen ausgespült zum Trocknen auf ihren Gartentisch gelegt haben. Wo der Vermieter sagte: Ja, und wenn Du mal nicht pünktlich zurück bist, kann ich ja auch von Kindergarten oder Schule abholen. Wo so ein Großfamiliendenken einfach normal ist. Deren Kinder (unser Alter) sind so unendlich gelassen, souverän, cool, liebevoll und auf Augenhöhe mit den Kindern. Neulich hab ich gehört, wie auch sie rumgeschrien haben, und weißt du was? Ich war froh. Ich war erleichtert. Weil ich weiß, dass es nicht bedeutet, dass sie schlechte Eltern sind. Weil ich mich hier nicht verstecken muss. Die Schlüssel stecken außen, die Tochter (11) fragt nach Ketchup, die andere Tochter (9) leiht Maple Klamotten, die ihr gerade fehlen, deren Cousins kennen in unserer Wohnung bereits die besten Verstecke. Es ist eine abgeschwächte Form, ja, aber irgendwie ist es ein bisschen Kommune. Und es ändert ALLES.

    Neulich stand die Vermieterin im Waschkeller, und die Maschine brauchte noch 8 Minuten. Da hängte sie mit den Worten „Jeden Tag eine gute Tat“ die Wäsche ihrer Tochter auf, die bereits fertig war. Es sind die kleinen Dinge. Dass man einfach Mensch sein darf. Dann fällt es auch nicht schwer, um Hilfe zu bitten.

    Vielleicht sollten wir einfach viel öfter daran denken, wie wir uns fühlen, wenn UNS jemand um Hilfe bittet. <3

    Alles Liebe,
    Mo

    1. Ach liebe Mo,

      danke für deinen super langen Kommentar! <3

      Stimmt! Den Schein zu waren – die perfekte Mutter zu sein – ist ein hoher sozialer Druck. Oft ist es ein Schauspiel, dass aufgeführt wird. Und wenn der Vorhang fällt, fällt das aufgesetzte Lächeln und wir weinen vor Erschöpfung und Verzweiflung hinter verschlossenen Türen. Schein bewahrt…

      Mit dem Urlaub kann ich das nur bestätigen! Als wir mit unseren Freunden letzten Sommer ebenfalls in Dänemark waren (6 Kinder unter 6 Jahren) war es entspannt! Kaum zu glauben, aber wahr. Es war einfach nur schön – wenn auch turbulent natürlich.

      Eure neue Wohnumgebung schient ein Traum zu sein. So sollte es eigentlich immer sein und ist es leider so selten 🙁
      Wir haben hier auch eine wunderbare Nachbarschaft. Die Kinder laufen frei von Garten zu Garten. Eine Gemeinschaft. Das ist schön.

      Und mal ganz so unter uns: auch ich habe Tage an denen ich nicht perfekt reagiere. An denen ich ungerecht bin. An denen ich nicht die Geduld habe, die ich gern hätte, weil der Schlaf fehlt. Tja, so ist das eben. Ich bin nicht perfekt. Meine Kinder erwarten das glaube ich auch nicht. Also sollten es andere Mütter auch nicht erwarten. Weder von sich selbst – noch von mir 😉 …

      Liebe Grüße
      Andrea

  2. Ein wichtiges Thema was du da ansprichst . ..
    Hilfe anzunehmen ist für mich super schwer auch in mir kommt schnell ein Gefühl des Versagens. Auch nach Hilfe fragen kann ich nicht gut…und Grade fällt mir auf, dass ich das von meinem Kind sehr oft erwarte.
    Ich finde es andersrum aber sehr schade, dass es so ist.
    Wenn alle es für selbstverständlich nehmen würden Mal zu helfen, wäre es vllt wieder normal.
    Ich komme mir direkt als nicht gut genug, als Ballast vor…vllt einfach weil es ein Tabu Thema ist, dass man im ganz normalen Alltag auch Mal Hilfe bräuchte.
    Und die Rolle als Mutter und/ oder als Familie oft unterschätzt wird…
    Man sieht gar nicht mehr, was man da leistet.
    “ Nur“ Mutter sein… wenigstens das mûsste man ja alleine schaffen.

    1. Liebe Tamara,

      Familien – Väter und Mütter – brauchen eigentlich alle Unterstützung. Diese Unterstützung kann die eigene Familie – Großeltern und Geschwister – oft nicht mehr leisten oder wollen es gar nicht. Oder wir wollen es nicht 😉 …
      Aber wie schon gesagt: die Kleinfamilie ist nicht ideal. Und hauptsächlich geht es auf Kosten der Mütter.
      „Nur Mutter sein“ gibt es übrigens für mich nicht! Es kann mehr als genug sein, wenn es für einen passt <3

      Liebe Grüße
      Mother Birth

  3. Solche Gedanken haben ja viele Menschen mit Familien. Abgesehen von der Überschrift ist der Text doch gar nicht so konfus!
    Bei manchen Dingen fällt mir es auch sehr schwer Hilfe anzunehmen. Ich geh dann gern in die passiv-aggressive Opferrolle: „Ich mach das schon! Jetzt brauche ich auch keine Hilfe mehr!“ Hab ich ganz toll von meiner Mutter gelernt und ich hasse es und ich will das überwinden. Das trifft mich aber eher in meiner Beziehung, sonst bin ich durchaus zu haben für Hilfe jeder Art!
    Allerdings: ich will nicht unbedingt stark erscheinen, ich will aber niemand zur Last fallen! Das ist das Problem. Es fehlen mögliche Helfende und die, die gern würden, die haben dich selbst Kinder und Arbeit und Haushalt. Das Netz fehlt, meintest du ja auch. Wenn im Netz aber nur Fische sind, die selbst Hilfe brauchen, kann niemand helfen.

    1. Liebe Julia,

      diese passiv-aggressive Opferrolle kann ich auch gut besetzen. Leider. Es ist bei mir schon fast reflexhaft, wie ich reagiere. Eigentlich will ich gar nicht so sein und doch bin ich es oft. Ich kann nicht mal wirklich erklären, was mich dann reitet… Ich weiß nur wie ich mich in diesen Momenten fühle: innerlich zerrissen und wütend auf die Welt.

      Nein, ich meinte ein bunt gemischtes „Netz“. Aber dafür braucht es ein gesellschaftliches Umdenken. Weg von „jeder für sich“ und hin zu „alle gemeinsam“. Es könnte eine Win-Win-Situation für alle sein. Alle könnten davon profitieren: der allein lebende Rentner, das junge Paar mit Kinderwunsch, die Kinder, die Eltern, die Gemeinschaft.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

      1. Bei mir ist das passiv-aggressive auf jeden Fall voll einprogrammiert und ich muss mich enorm selbst zusammenreißen, um darüber hinwegzukommen. Gelingt mir so selten. Ich hoffe, ich lern da noch im Zusammenleben mit meinem Kind. Das hat mich schon oft dazu gebracht, mich selbst zu überwinden.

        Ein gemischtes Netz wär echt wunderbar. Ich hab mir ja schon gewünscht, mal mit dem ein oder anderen Kind was zu unternehmen, als ich selbst noch keins hatte. Dann kann man aber kaum zu Eltern gehen und fragen, ob sie einem das Kind mal ausleihen. Dsa geht nur in ganz wenigen Konstellationen. Andersrum frage ich mich oft, wieviel Kinderlose gern mal mit anderer Leute Kinder unternehmen würden. Wäre das eine Belastung, haben die genug mit dem eigenen Leben zu tun? Inzwischen kenn ich tatsächlich zwei Leute, die Interesse an Unternehmungen mit unserem Kind hätten. Wow. Aber dann muss das organisatorisch natürlich passen.
        Wenn die Barriere der Konvention da geringer wäre und es nicht gesellschaftlich so komisch käme, einfach mal mit den Kindern anderer was zu machen!

  4. Ich kann Dich schon verstehen. In der Gesellschaft wird Hilfe annehmen fast immer gleichgesetzt mit Schwäche zeigen. Aber ich sehe es genau andersrum. Wer Hilfe braucht und sie nutzt, der zeigt Stärke zur Situation. Keiner muss hilflos zusehen wie alles den Bach runter geht. Sondern es ist stark in dem Moment „Stopp“ zu sagen und sich die Hilfe zu suchen die man braucht. Ich selbst kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sehr gut tut sich Hilfe zu holen. Als ein halbes Jahr nach Mausis Geburt meine Angsterkrankung wiederkam, war ich sehr glücklich das es die Familienhelfer gibt. Sie waren unsere guten Engel und ich würde mich jeder Zeit wieder an sie wenden. Hilfe holen ist keine Schande, sondern zeigt das man Mut zur Veränderung hat. Liebe Grüße, Nicole.

    1. Liebe Nicole,

      es ist toll dass du dir so wertvolle Unterstützung geholt hast. Das ist wunderbar.

      Vom Kopf her ist mir auch klar, dass Hilfe anzunehmen, sinnvoll und gut ist. Und absolut kein Zeichen von Schwäche. Trotzdem bin ich innerlich blockiert. Ich denke es ist ein tief in mir verankerter Glaubenssatz, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Von meinen Großeltern an meine Eltern an mich.
      Ich möchte ihn überwinden. Für mich und meiner Kinder. Denn ich möchte nicht, dass ich ihn an sie weitergebe. Ich hoffe, dass es mir irgendwann gelingt.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

      1. Hallo liebe Mother Birth,

        ja ich denke auch das es schwer ist alt gewohntes zu ändern, aber ich drücke Dir die Daumen das Du es schaffst.

        Liebe Grüße, Nicole.

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