Dies und Das

Glücklich scheitern

Wo soll ich anfangen? Am besten beim Text von Zesyra „Scheitern für Anfänge“. Dieser Text lässt mich einfach nicht mehr los. Meine Gedanken dazu sind ungeordnet – wirr – es ist mehr ein Gefühl, dass ich habe. Dass ich aber unbedingt niederschreiben möchte. Euch mitteilen möchte. Und ganz im Sinne des Hashtags #schambefreit werde ich mir jetzt keine Gedanken darum machen, ob dieser Text logisch aufgebaut sein wird, ob er zu meinem Blog passt, ob ihn irgendwer lesen will oder wird und ob ihn überhaupt einer versteht… Egal. Es sind meine Gedanken. Sie gehören mir. Ich entscheide, wann, wo, wie und mit wem ich sie teilen möchte.

Ich nehme mir einfach mal die Freiheit heraus, zu scheitern…


by Pixabay

Scheitern liegt im Auge des Betrachters. Eine subjektive Wertung einer Handlung. Etwas sehr Persönliches. Eigentlich. Trotzdem gibt unsere Leistungsgesellschaft klare Richtlinien vor, an denen man gemessen wird. An dessen Skala mein Erfolg bzw. mein Misserfolg – sprich mein Scheitern – abgelesen werden kann.

Und was ist, wenn mich das Scheitern glücklich macht? Wenn mein persönliches Glück damit korreliert, was in der Gesellschaft als Niederlage gilt. Was ist dann? Wer darf sich dann darüber ein Urteil erlauben? Wer darf darüber entscheiden, was mich glücklich sein lässt? Glück ist eben nicht deckungsgleich mit Erfolg. Glück ist nicht messbar und schon gar nicht allgemeingültig.

#schambefreit

Wir sollten uns nicht mehr dafür schämen, wenn wir Erfolge feiern wollen, die unsere Gesellschaft als ein Scheitern verurteilt. Wir entscheiden letztendlich selbst, was uns glücklich macht.

Es ist unser Leben. Also sollten wir es so leben, dass wir es nicht bereuen und nicht so, dass es anderen gefällt.

Wir sind unseres Glückes Schmied. Daran ist viel Wahres… Wir stehen uns nur leider viel zu oft selbst im Weg, weil wir nicht zu uns selbst stehen können.


Meine größten Erfolge waren wohl auch meine größten Niederlagen. Objektive von außen betrachtet, hatte ich etwas geschafft. Erfolg. Ich hatte etwas vorzuweisen. Schwarz auf weiß. Belegbar. Mein Abitur. Mein Uniabschluss. Mir hat das Stück Papier – mein Zeugnis – nie viel bedeutet. Noten – an denen Erfolg bemessen wird – haben mich nie wirklich erfüllt. Mich nie wirklich glücklich gemacht hat. Und da sind wir wieder beim Thema: das Glück des Scheiterns. Ich wäre auch glücklich gewesen, wenn ich einfach nur studiert hätte. Auf meinen Abschluss hätte ich verzichten können. Ich musste mir selbst nicht beweisen, dass ich es kann. Aber ich musste es anderen beweisen. Mich messen. Bemessen lassen. Mein Können unter Beweis stellen. Es hat mir die Freude – die Leidenschaft und die Leichtigkeit – an meinem Studium geraubt.

Ich liebe es zu Schreiben. Worte zu finden. Emotionen auszudrücken. Mich auszudrücken. Einfach die Worte fließen zu lassen, ohne groß darüber nachzudenken. Gefühle in Worte umsetzen. Texte entstehen lassen, die berühren. Wenn Menschen mir sagen, dass ihnen meine Worte viel bedeuten, bedeutet mir das wiederum viel. Das ist mein Erfolg, auf den ich stolz bin. Sein darf. Er ist nicht objektiv messbar, macht mich aber glücklich und das ist was zählt.

Das erste Mal ist mir meine Leidenschaft mit Worten zu spielen wirklich bewusst geworden, als ich 17 war. Ich hatte den Wahlpflichtkurs „Kreatives Schreiben“ gewählt. Meine Oma war gerade gestorben. Ich war voll Emotionen, für die ich kein Ventil hatte. Keine Worte, die ich laut aussprechen konnte. Keinen Rahmen, in denen sie gehört werden wollten. Ich schrieb. Wie im Rausch. Worte flossen zu Papier. Wie von selbst. Dunkle Gefühle ungeschönt niedergeschrieben. Schonungslos. Ehrlich. Ich erlebte zum ersten Mal dieses befreiende Gefühl, was sich bis heute einstellt, wenn ich Schreiben darf. Wenn ich meine Gefühle – mein Innerstes – zeigen darf. Wenn ich ich sein darf. Ohne Zensur. Es war berauschend. Ich schrieb über den Tod und empfand doch ein unfassbares Glücksgefühl. Ein Gefühl von Freiheit.

Ich war #schambefreit. Habe mein Innerstes nach außen gekehrt. Diese Offenheit, war vielen zu viel. Zu intensiv. Zu negativ. Zu dunkel. Zu direkt.

Ich bin nicht gescheitert an mir – ich hatte Erfolg – sondern an den Schamgefühlen, an den unterdrückten Gefühlen, anderer.

Die Erkenntnis damals: Ich war richtig. Meine Gefühle waren richtig. Meine Worte waren richtig. Ich muss nur einen Rahmen finden, indem ich frei sein kann, mich auszudrücken. In dem ich ich sein kann. In allen meinen Facetten. Mit all meinen Gedanken und Gefühlen. Das gilt auch heute noch. Wenn ich das Gefühl habe, ich könnte nicht frei sein – nicht frei schreiben -, muss ich mir Räume schaffen, um dies weiterhin #schambefreit tun zu können. Vielleicht nicht ideal, aber immer noch besser als keine Worte mehr zu haben für meine Gefühle, die mich erfüllen. Deshalb habe ich mich auch dazu entschlossen einen Zweitaccount bei Twitter zu nutzen. Für mich. Und was soll ich sagen? Es ist befreiend. Ein Gefühl, dass mir gefehlt hat. Schon länger…

Und ja, ich weiß, was einige jetzt denken und sagen wollen… man sollte überall über alles offen schreiben können. In der Theorie ja, aber wenn ich mich selbst nicht frei und glücklich damit fühle, ist es falsch. Für mich. Sich Räume schaffen, um frei zu sein, ist kein Scheitern. Vielleicht für euch – nicht für mich.

Mein Erfolg ist, was mich glücklich macht.

Und gerade fühle ich mich so glücklich und befreit wie schon lange nicht mehr. Scheitern hin oder her – dieser Text ist ein Erfolg! Für mich.

*EURE MOTHER BIRTH*

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