Ich könnte Kotzen…

Trigger-Warnung

Ich möchte an dieser Stelle alle HG-Mütter bitten, genau zu überlegen, ob sie diesen Text lesen möchten. Es beinhaltet einen humorvollen Umgang mit Schwangerschaftsübelkeit. Aus Respekt vor dem Leid, dass ihr ertragen musstet, steht nun diese Warnung dem Text voran.


…und ich tue es auch!

Wie Jessie von feiersun heute schon so treffend twitterte:

Eindeutig doppeldeutig und ich musste lachen. Herzhaft. Humor ist so wichtig. Gerade jetzt ist er mein Lebenselixier. Wenn ich mich nur noch auf das Leiden konzentrieren und den Humor verlieren würde, könnte ich es vermutlich nicht lange ertragen. Ich wäre schnell ein bemitleidenswertes Etwas, das wie ein Schatten meiner Selbst sich durch den Tag schleifen würde. ICH will es so einfach nicht. ICH kann entscheiden, wie ich mit einer Situation umgehen möchte. Ich habe mich entschieden: mit viel HUMOR 😉 … Ich lade euch also ein mit mir und über mich zu schmunzeln und meinetwegen auch zu lachen. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, den POSITIVSTEN Text zur Schwangerschaftsübelkeit zu schreiben, den ihr je gelesen habt! Ich gebe mir alle Mühe, um euren Blickwinkel darauf vielleicht etwas verändern zu können. #meinAnliegen

Ein Symbolbild, welches gut zu meiner Badtür gepasst hätte... by Pixabay
Ein Symbolbild, welches gut zu meiner Badzimmertür gepasst! 😉  by Pixabay

Daran erkennst du den echten PRO(fi): er ist steigerungsfähig!

Wenn es um die Schwangerschaftsübelkeit geht, da bin ich ein PRO(fi)… Ob das rühmlich ist, weiß ich nicht. Aber ich kann von mir behaupten – und da bin ich doch etwas stolz drauf: ich kann mich in jeder Situation und Lebenslage übergeben. Hier eine kleine Auswahl meiner persönlichen Hotspots 😉

  • in öffentlichen Toiletten oder wahlweise auch Waschbecken
  • in irgendwelchen Plastiktüten, die ich an strategischen Punkten verteilt habe
  • in Gärten
  • im Wald
  • in Gullis
  • beim Autofahren an den Straßenrand: ranfahren, abschnallen, Tür auf, rauslehnen, kotzen, Mund abwischen, weiterfahren.
  • etc…. (beliebig erweiterbar)

Und DAS will gelernt sein! Meine Trainingseinheiten dauerten länger als im üblichen Durchschnitt veranschlagt. Ich kriegte den Hals wohl nicht voll… äh… leer genug. In der ersten Schwangerschaft habe ich mich regelmäßig bis zur 18. SSW auf der Toilette wieder gefunden. Meine damalige Hebamme prophezeite mir schon, dass es beim nächsten Kind eventuell noch etwas länger dauern könnte… Und sie sollte Recht behalten: ich bin steigerungsfähig! Ich upgradate bis zur 26. SSW. Satte 8 Wochen mehr – Yeah! Oder auch nicht… Wenn ich nun meinen Blick in die Zukunft schweifen lasse – ich als Profi natürlich 😉 – na dann sehe ich die leuchtende Zahl: 34. SSW vor mir. Gut? Schlecht? Ich lasse mich eben überraschen, wie lange es diesmal andauern mag. Ich bin zu mindestens bestens vorbereitet 😉

„Das große Kotzen“ oder „Den richtigen Riecher haben“

Es fing bei BusyBee schon VOR dem positiven Schwangerschaftstest an… Ich kotze aus Leibeskräften und mein Mann meinte nur trocken:

„Bist schwanger, oder?“

DIE Vermutung hegte ich allerdings auch… F**k. Und es war heftiger als beim ersten Mal – wesentlich heftiger! Bis zu 12 Mal am Tag musste ich mich übergeben – auch Nachts! Jegliche Art von Zucker – auch Fruchtzucker – wurde zu meinem persönlichen Feind. Ich roch ihn in Kleinstmengen aus allen Speisen heraus. Mir wurde sofort speiübel. Ich mied also die gesamte Schwangerschaft Zucker in allen seinen Varianten wie die Pest. Irgendwie war meine Nase zu einem Detektor für „gutes“ Essen mutiert. Sie sortierte vor – penibel und seeeehr akribisch. „Ungesundes“ Essen konnte ich nicht mehr riechen und mein Magen rebellierte sofort. So kam es dazu, dass ich das erste Mal in meinem Leben ganz bewußt SO ausgewogen gegessen habe. Diese neue Achtsamkeit, die mir eigentlich durch die starke Übelkeit und die Geruchsempfindlichkeit erst geschenkt wurde, bot mir die einmalige Gelegenheit meine aktuellen Bedürfnisse bei der Lebensmittelauswahl gut und einfach zu erkennen. Es ist wie ein Geschenk, dessen SINN man erst beim zweiten Blick erkennt und dann schätzen lernen kann. Ich bin dankbar dafür, denn auch jetzt ernähre ich mich wieder ganz bewußt, achtsam und ausgewogen. Es fällt mir nicht schwer – nein, ganz im Gegenteil: der Geruch weist mir den richtigen Weg. 

„Mama, wollen wir Kotzen spielen?“

So und nun wieder was für eure Lachmuskeln:

Woran erkennt man, dass man nicht mehr unter einer „normalen“ Schwangerschaftsübelkeit leidet?

Ja richtig!!! Dein eigenes Kind spielt gerne und ausdauernd „Kotzen“… Nein, ich korrigiere mich: es ist das LIEBLINGSSPIEL von meinem Sohn gewesen!!! Und er führte dies auch ungefragt allen Gästen des Hauses begeistert vor… Mama darf auch ran und mitmachen… Rückblickend sehr lustig – IN der Situation eher etwas unangenehm wegen den peinlich berührten Blicken der anwesenden Gäste. Aber man konnte es ihm ja schließlich nicht verübeln (oh Gott, diese Wortwendungen… 😉 ). Er verbrachte schließlich die meiste Zeit des Tages mit seiner Mutter auf Toilette, streichelte mir den Rücken, hielt mein Haar zur Seite oder reichte mich Toilettenpapier, um mir den Mund abzuwischen. Ja, auch er war ein PRO(fi) geworden… #ausgründen

Die innere Mitte finden

Regelmäßiges Meditieren und gezielte Entspannungsübungen helfen mir meine innere Mitte wieder zu finden. Sie ist nämlich irgendwie „verrutscht“ mit der Schwangerschaft – Wort wörtlich 😉 Ja, und dieses entstandene „Ungleichgewicht“ in meinen Körper – hormonell, emotional und auch körperlich – bedingt sicherlich auch die Schwangerschaftsübelkeit mit. Finde ich meine neue – schwangere – innere Mitte, so kann sie ausgleichend, beruhigend und wohltuend wirken und sein. Ich brauche etwas Muße und Geduld, um sie zu erspüren, sie zu orten, zu verorten, aber hab ich sie erst gefunden, so kann ich die Übelkeit gezielt eindämmen und für mich auf ein erträgliches Maß reduzieren. Leider kam mir diese Erkenntnis erst Mitte der zweiten Schwangerschaft… *kotz*

Was es sonst noch POSITIVES zu berichten gibt…

Mit Gewichtsproblemen hatte ich nie zu kämpfen – die Pfunde purzelten nur so dahin – zu mindestens an Gewicht, der Bauch wuchs trotz allem fröhlich weiter. Und bevor warnende Stimmen mich auf eine mögliche Mangelversorgung meines Babys hinweisen möchten – hier ein kleiner beeindruckender Fakt: am Ende der zweiten Schwangerschaft hatte ich nur 6 kg zugenommen – die dicke kleine Hummel BusyBee nahm für sich schon mal 3730g in Anspruch. Also alles gut – nur ich mache offensichtlich immer eine Art Schwangerschaftsdiät der besondern Sorte 😉

 

Und? Positiv? Lustig? Ich hoffe doch, dass ich euch nicht zu viel versprochen habe! Vielleicht konnte ich sogar bei der ein oder anderen den Blickwinkel etwas verändern… Das würde mich freuen! <3


Frauen, die es wesentlich schlimmer getroffen haben als ich und unter Hyperemesis Gravidarum leiden, finden zum Beispiel hier Hilfe.


*EURE MOTHER BIRTH*

 #Achtsamkeit #Übelkeit #übel #übergeben #Geruch #Humor #kotzen #lachen #Lebenmittel #positiv #schwanger #Schwangerschaft #Schwangerschaftsübelkeit

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11 Gedanken zu „Ich könnte Kotzen…

  1. Inga - Mama in Hamburg Antworten

    Ein herrlicher Text, du hast es definitiv geschafft, mich damit zum Lachen zu bringen. Ich finde ja, dadurch, dass du so eine positive Einstellung zur Schwangerschaftsübelkeit erlernt hast, hast du dir verdient, dass sie bald vorbei ist. 🙂

    • motherbirthblog Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Inga,

      wird werden sehen. Allzu viel Hoffnung mache ich mir allerdings nicht, da ich aus Erfahrung sehen konnte, dass ich anscheinend gerne die obligatorischen 12 Wochen überschreite…

      Liebe Grüße
      Mother Birth

  2. Franzi Antworten

    Ich litt drei Mal unter Hyperemesis Gravidarum, monatelang bis zu Geburt.Mit Humor konnte ich meiner Situation leider so ganz und gar nicht begegnen! Nichts,aber auch gar nichts war an den wochenlangen Krankenhausaufenthalten,der parenteralen Ernährung,starkem
    Untergwicht,der 24-Std Dauerübelkeit
    und dem bis zu 30 Mal Erbrechen am
    Tag auf leeren Magen lustig… Es mag
    Deine Art sein mit deiner
    Schwangerschaftsübelkeit
    umzugehen,aber ich kann mich darin so
    leider gar nicht wieder finden! Ich bin
    sicher ein aufgestellter und positiv
    denkender und fühlender Mensch,aber
    die HG hat mich an meine absoluten
    physischen und psychischen Grenzen
    gebracht.Ich kann und möchte diese Zeit meinem Leben nicht mit Humor begegnen,denn damit würde ich das unsagliche Leid,das Frauen,die unter HG leiden ertragen müssen,komplett klein reden.Es wird sowieso schon oft zuwenig ernst gennommen,von den Ärzten,dem Pflefepersonal und der Umwelt.Damit tut man mMn keiner Frau,die an HG leidet einen Gefallen! Ich habe leider ,neben meiner eigenen,schon so viele unsagbar
    traurige Geschichten von Frauen gehört…von Schwanhetschaften,die komplett im KH verbracht werden mussten,von schweren gesundheitlichen und psychische Folgeschäden der HG (Organversagen,Depressionen usw)und von Schwangerschaftsabbrüchen,weil es die Frauen so verzweifelt,kaputt gemacht und zerstört hat. Für mich ist HG ein riesen A***** und ich kann beim besten Willen nicht darüber Lachen! Auch wenn ich sehr glücklich bin meine Kinder zu haben!

    • motherbirthblog Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Franziska,

      es tut mir sehr leid, was du erleiden musstest. Da fehlen mir die Worte. Ich wollte dir mit meinem Text nicht zu nahe treten und dich verletzten.

      Ich habe mittlerweile den Text dahingehend korrigiert, dass ich HG herausgenommen habe. Ich hatte mich darauf verlassen, dass meine FÄ es „richtig“ benannt hätte. Da lag ich wohl falsch. Und es tut mir leid.

      Ich werde in den nächsten Tagen auch noch einige nützliche links hinzufügen, bei denen Frauen Hilfe finden können, die es viel schlimmer getroffen haben als ich.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

  3. sonnenshyn Antworten

    Wenn ich nur so positive Gedanken in meiner Schwangerschaft gehabt hätte. 😉

    Übel war mir in der ersten bis etwa zur 16. Woche. Übergeben musste ich mich nie. Bei der zweiten war mir mal übel, mal nicht. Das wechselte ständig -bis zum Ende-, aber auch da habe ich mich nicht übergeben müssen.
    Kann mir gar nicht vorstellen wie nervig das sein muss.

    Ich denke du hilfst mit deinem humorvollen Text einigen Frauen.

    Sonnige Grüße.

    • motherbirthblog Autor des BeitragsAntworten

      Jetzt in der 3. Schwangerschaft ist mir eigentlich immer schlecht, aber ich muss mich (bis jetzt) noch nicht immer übergeben, wie bei BusyBee. Das sehe ich schon als eine große Erleichterung an.

      Sicherlich hab ich einigen geholfen – leider habe ich vermutlich eben so viele verletzt. Für mich kein Grund glücklich oder froh zu sein 🙁

      Liebe Grüße
      Mother Birth

  4. HerzBauchWerk Antworten

    Also ich musste ja schon recht schmunzeln über deinen Text, ich wünsch dir aber trotzdem von ganzem Herzen, dass es dir bald wieder besser geht!!!

    • motherbirthblog Autor des BeitragsAntworten

      Liebe Tanja,

      wir haben eh den gleichen Humor! <3
      Wenn du darüber nicht hättest lachen können, dann hätte ich mir ehrlich Sorgen gemacht 🙂
      Und da ich es absolut nicht geil finde zu kotzen, würde es mich auch freuen, wenn es diesmal vielleicht nach den obligatorischen 12 Wochen aufhören könnte.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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